Ober-Werbe. Vier Jahrzehnte gelebter Freundschaft, unzähliger Begegnungen und gegenseitiger Wertschätzung haben die Partnerschaft zwischen Ober-Werbe und Mooskirchen zu etwas Besonderem werden lassen. Was einst aus einer Jugendbegegnung entstand, entwickelte sich zu einer Verbindung, die Generationen von Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden geprägt, Menschen über Ländergrenzen hinweg zusammengeführt und zahlreiche persönliche Freundschaften entstehen lassen hat. Zum 40-jährigen Jubiläum bot sich daher die Gelegenheit, auf diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurückzublicken. Neben vielen gemeinsamen Erlebnissen, Leistungen und Festen waren es vor allem die Menschen, die diese Partnerschaft getragen und mit Leben erfüllt haben. Als Zeitzeugen der ersten Stunde waren Wilhelm Emden und ELFR(Ehren-Landesfeuerwehrrat Anmerkung der Redaktion) Bürgermeister a. D. Engelbert Huber eingeladen, die Entwicklung dieser grenzüberschreitenden Kameradschaft aus ihrer Sicht nachzuzeichnen. Engelbert Huber verstand es dabei, mit zahlreichen Erinnerungen und persönlichen Anekdoten eindrucksvoll zu schildern, wie aus einer Idee eine bis heute lebendige und beispielhafte Partnerschaft gewachsen ist.
Ein ausführlicher Rückblick von ELFR Bürgermeister. a. D. Engelbert Huber auf vier Jahrzehnte Feuerwehrfreundschaft:
1983 – 1984
Erste Kontakte einer engagierten Gruppe von Feuerwehrkameraden aus Ober-Werbe, im bundesdeutschen Hessen, rund um Heinrich Simshäuser, mit österreichischen Jugendgruppen in Verbindung zu treten, gehen auf eine Einladung des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark im Jahr 1983 zurück. Damals fand das legendäre steirische Feuerwehr-Jugend-Zeltlager am Pibersteiner See statt. An sich war die Einladung in die Steiermark für eine „Bewerbsgruppe“ ausgesprochen. Das Interesse in Deutschland, es standen mehr als 30 Jugendliche in Ausbildung, war derart groß, dass alle die Fahrt mitmachen wollten. Der Landesfeuerwehrverband Steiermark erwies sich als großzügiger Gastgeber und ermöglichte allen Interessierten die Teilnahme in Maria Lankowitz. Das Verhalten und Auftreten der Jugendlichen, das besondere Interesse der Begleitpersonen und die Bereitschaft im Landesfeuerwehrverband Steiermark führten zur Überzeugung, mehr aus diesem ersten Besuch „zu machen“. Der steirische Landes-Jugendbeauftragte Dietmar Lederhaas und Karl Birnstingl als Bezirks-Jugendbeauftragter waren voll des Lobes und ebneten den Weg bis hin zu erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen für das internationale Miteinander. Für einen ersten „Gegenbesuch“ im Nachbarland wurden vorrangig Jugendliche aus Mooskirchen mit dem späteren Kommandanten Anton Rothschedl ins Auge gefasst.
Bereits ein Jahr später, 1984, waren Mooskirchner und andere Jugendliche aus dem Bezirk mit Karl Birnstingl an der Spitze „auf dem Weg“ nach Frankfurt zum ersten Treffen. Mit dabei auch Anton Rothschedl als Mooskirchner Ortsjugendbeauftragter und Johann Konrad, Söding, der in den Jahren danach zu einem verlässlichen Koordinator werden sollte. Die deutschen Freunde waren sichtlich überrascht, in welch kurzer Zeit Interesse an internationaler Zusammenarbeit erwidert wurde. Der „Startschuss“ war gegeben, einiges sollte sich in den kommenden Monaten und Jahren vermehren. „100 Jahre FF Markt Mooskirchen“ – Beginn einer grenzüberschreitenden Partnerschaft Fortan „verlagerten“ sich Gespräche auf Ebene der Orts-Kommandanten, wurden gefördert und führten – vermutlich noch rascher auch angesichts des bevorstehenden Jubiläums „100 Jahre FF Markt Mooskirchen“ – zu vertiefenden Gesprächen mit dem positiven Ergebnis, eine Partnerschaft zwischen der FF Ober-Werbe und der FF Markt Mooskirchen einzugehen. Öffentlich bekundet wurde das mit der wechselseitigen Unterzeichnung von Urkunden im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung. Zu einem „Mooskirchner Abend“, der am Firmengelände von Wild-Geflügel Draxler in Fluttendorf am 6. Juni 1986 stattfand, war zu Ehren der deutschen Gäste und neuen Partner alles geladen, was in Feuerwehrkreisen und dem zivilen Leben Mooskirchens Rang und Namen hatte. Sozusagen festlich und vor hunderten Augen wurde ein Schritt gesetzt, der für die Geschichte der FF Markt Mooskirchen von großer Bedeutung ist. An den zuvor niemand geglaubt hätte.

40 Jahre später – 2026
Nun, zum vierzigsten Jahrestag dieser Verpartnerung hieß ABI Josef Pirstinger mit seinem Stellvertreter, OBI Ing. Philipp Müller, eine größere Anzahl von Freunden aus Ober-Werbe, dem Waldecker Land, Bremen Gramkermoor und Bad Tennstedt willkommen. Beim „Treitlerwirt“ fand das Zusammentreffen mit Mooskirchner Feuerwehrkameraden statt. Anwesend waren auch Landesbranddirektor-Stellvertreter Christian Leitgeb, Ehrenabschnittsbrandinspektor Karl Birnstingl und Bürgermeister Peter Fließer. Abschnittsbrandinspektor Josef Pirstinger, der in seiner Verantwortung die Zusammenarbeit mit den deutschen Freunden vorbildhaft lebte und lebt, brachte seine Freude über das zahlreiche Kommen zum Ausdruck. Zeitzeugen haben die rund 10stündige Reise aus Hessen ebenso auf sich genommen, wie aktive Feuerwehrkameraden jeden Alters, Partnerinnen und Freunde, die im Laufe der Jahre nahezu familiäre Kontakte „aufgebaut“ haben. In großer Dankbarkeit erinnerten sich die Anwesenden in einer Gedenkminute der verstorbenen Mitbegründer und Personen der ersten Stunde aus Mooskirchen und Ober-Werbe. Vor allem Erwin Draxler, Anton Rothschedl und Johann Konrad.
Partnerschaft über vier Jahrzehnte
Dann waren Wilhelm Emden (er bekleidet die Funktion des Ortsvorstehers und Vereinsvorsitzenden in Ober-Werbe) und ELFR Bgm a.D. Engelbert Huber, quasi als Zeitzeugen, eingeladen, vier Jahrzehnte Verbindung „von beiden Seiten“ zu betrachten. Ihnen gelang es gleichsam bildhaft, vieles darzustellen, was die Zeit seit 1986 „auf beiden Seiten“ ausgezeichnet, menschlich berührend mit Leben erfüllt hat. Unzählige Erinnerungen sind ihnen über diese Zeit geblieben, die sie dann vermittelten. Einiges kam spontan zur Sprache, auf Zurufe waren sie in der Lage, ausführlich zu erläutern. So erinnerte sich Engelbert Huber noch sehr genau an den Wunsch von Erwin Draxler sen., den Wortlaut der Partnerschafts-Urkunde in wenigen Worten, aber aussagekräftig, zu formulieren. Da wurden die wechselseitigen Besuche, die es durchaus auch mehrmals jährlich geben kann, ebenso angesprochen, wie die Bereitschaft vor allem in Ober-Werbe, die Mooskirchner Gäste immer wieder in Privatquartieren für einige Tage zu beherbergen. Eine, wie Engelbert Huber meinte, großartige Bereitschaft in dem knapp 160 Bewohner zählenden Ortsteil. Und, ohne es zu beabsichtigen, hat es sich ergeben, dass die jeweilige Wiederkehr der ersten Unterzeichnung in geraden Jahren in Mooskirchen „gefeiert“ wird, die in ungeraden Jahren in Ober-Werbe. Dass das mit wechselseitigen Besuchen verbunden ist, versteht sich. Die Möglichkeit, das feuerwehrtechnische Wissen gegenseitig abzufragen, sich dazu auszutauschen und sich auch der einen oder anderen Leistungsprüfung zu stellen, wurde wiederholt erfolgreich genutzt. Stets blieben nur wenige Stunden, sich den Erfordernissen anzupassen, die doch unterschiedlich vorgegebenen Handgriffe zu üben und etwa die Lage von Ausrüstungsgegenständen in den Fahrzeugen vor Augen zu bekommen. Viel Freude über redlich erworbene Leistungsabzeichen kennzeichneten auch Besuche hüben und drüben. Unzählige Persönlichkeiten, die leider nicht mehr am Leben sind oder deren Gesundheitszustand eine Anwesenheit in Mooskirchen bedauerlicherweise nicht möglich macht, wurden im Zusammenhang mit dieser Betrachtung namentlich genannt. Ihnen gilt höchste Wertschätzung für Weitblick und Interesse, das dort wie da ausgeführte Ehrenamt, das Bestreben, in Not geratenen Menschen zu helfen, Hab und Gut zu schützen, über Ländergrenzen hinweg, in den Vordergrund zu stellen. Dass sich so beispielgebend persönliche Beziehungen auf- und ausbauen lassen, das Miteinander ohne Unterbrechung über nunmehr schon 40 Jahre intensiv und wertschätzend tatsächlich „gelebt“ wird, ist doch außergewöhnlich. Sehr viel Leidenschaft, Herzblut wie es Feuerwehrkameraden weiblich wie männlich eigen ist und die Bereitschaft, das jeweilige „Gegenüber“ im anderen Land als Freund zu
sehen, „machen diese Partnerschaft“ einfach aus.
Da, meinte Huber, leidet der eine mit den anderen bei unangenehmen Angelegenheiten mit, freut sich aber auch bei sehr vielen, gottlob überwiegend erfreulichen Anlässen. Dieses Miteinander wird heute wie damals von den Kommandanten in Ober-Werbe wie Mooskirchen mit großzügigem Verständnis getragen und nach Kräften gefördert. Und dennoch bedarf es einer Persönlichkeit, die sich noch mehr als andere der menschlich-kameradschaftlichen Dienste annimmt. Namentlich nannte Huber in seinen Ausführungen das Mooskirchner Wehrmitglied Wolfgang Herunter als Botschafter für Ober-Werbe. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, er organisiert Zusammentreffen, ist Kontaktperson für Wehr- wie Gemeindemitglieder und so in ständiger Verbindung mit Ober-Werbe. Ihm sind alle Beteiligten zu großem Dank verpflichtet. Das wurde beim Festabend mit kräftigem Applaus „bestätigt“. Mit Fortdauer der Beziehungen über Ländergrenzen hat auch die Jugendkapelle Mooskirchen ihre musikalische Visitenkarte bei Jubiläen in Ober-Werbe abgegeben. Das Bestreben, den Feuerwehr-Jugendlichen „das Tor in die weite Welt“ zu öffnen, verbindend zwischen Alt und Jung in der Wehr zu wirken, wurde und wird insbesondere von Wilhelm Emden, mit Würde und Begeisterung gelebt. Er gehörte zur Zeit der Aufnahme der Partnerschaft seiner Jugendgruppe an und blickt gerne auf die Zeit am Pibersteiner See zurück. Wilhelm darf zu Recht als Bindungsglied zu Wolfgang Herunter in Mooskirchen bezeichnet werden. Jetzt „die treue Seele“ der Partnerschaft. Ihm sind Verbindungen zudem in den Jahren nach 1986 mit bzw. zu Jugendgruppen in Tschechien, Polen und – durch Kriegswirren eingeschränkt – in die Ukraine zu verdanken. Solche, die jährlich in anderen Ländern bei internationalen Treffen weitergeführt und bekräftigt werden. In diesem Zusammenhang findet Wolfgang Herunter auf Mooskirchner Seite bei Andrea und Manfred Schulz, Erwin Hitty, Gerhard Konrath und nun auch Markus Schlögl wertvolle Unterstützung. Nicht unerwähnt bleiben dürfen berührend persönlich verfasste Worte, die Mario Brand für seinen Vater, einen Mann der ersten Stunde und ständigen Befürworter, an diesem Abend den Anwesenden zur Kenntnis brachte.
Auszeichnungen
In Anerkennung ihrer besonderen, langjährigen Verdienste um Würdigung der internationalen Partnerschaft wurden dann Monika Best, Mario Brand und – natürlich – Wilhelm Emden mit
einem Verdienstzeichen der FF Markt Mooskirchen durch die Herren Kommandanten ausgezeichnet. Verdienstzeichen für internationale Zusammenarbeit des Deutschen Bundesfeuerwehrverbandes erhielten im Gegenzug die beiden Mooskirchner Kommandanten, ABI Josef Pirstinger und OBI Ing. Philipp Müller, in Gold und Bronze durch den Ober-Werber
Wehrführer. Der Austausch von Ehrengeschenken – von Mooskirchner Seite übergab Wolfgang Herunter gemeinsam mit Josef Pirstinger und Philipp Müller eine mundgeblasene Skulptur, symbolisch für die unbegrenzte Partnerschaft aus der Glasmanufaktur in Bärnbach – beendete die Betrachtung. Gruß- und Dankesworte, die die gelebten menschlichen Werte zum Inhalt hatten, formulierte Bürgermeister Peter Fließer für die Marktgemeinde Mooskirchen.
Erfahrungen – Erinnerungen – Zukunft
Beim anschließenden Abendessen und in den Stunden danach wurden Bilder einer von Elena Peier perfekt vorbereiteten Präsentation besprochen, Erfahrungen und Erinnerungen unter- bzw.
miteinander ausgetauscht. Da war vieles zusätzlich zu allem bereits Ausgeführten zu hören, an das sich die älteren Anwesenden gerne erinnern und sich nicht scheuten, es den Jüngeren „mit auf den Weg für die weitere Zukunft“ zwischen Ober-Werbe und Mooskirchen zu geben. Wie überhaupt diese Zusammenkunft angesichts vieler junger Kameraden aus Ober-Werbe – und der FF Bad
Tennstedt – auch den Zweck erfüllen soll, alle jüngeren Kameraden zur Aufrechterhaltung der wechselseitigen Beziehungen zu ermutigen. Das bis 1986 fest gebaute, bisher gut betreute und
gepflegte Fundament dieser Partnerschaft in den nächsten Jahren fortzuführen. Zu Zusammenhalt und Miteinander über Ländergrenzen. In feuerwehrtechnischen Belangen und völkerverbindend zwischen Generationen. Nach dem Motto da wie dort: „alle für einen – einer für alle“.
Gäste in Mooskirchen
Der dreitägige Aufenthalt in Mooskirchen beinhaltete auch, die deutschen Gäste mit den Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Lipizzanerheimat wie der Landeshauptstadt Graz vertraut zu machen. Ebenso die Sonderausstellung „BFV Voitsberg“ und Besonderheiten im Steirischen Feuerwehrmuseum in Groß St. Florian zu besichtigen. Für diese Bereitschaft und alle erforderlichen Personentransporte gebührt Wolfgang Herunter und seinem Betreuungsteam.
„140 Jahre FF Markt Mooskirchen“
Auch für die deutschen Kameraden kam der Feuerwehrdienst nicht zu kurz. Eine aus Mitgliedern der Wehren Ober-Werbe, Bad Tennstedt und Bremen gebildete Gruppe stellte beim Bereichs-
Leistungsbewerb am Samstag in der Gäste-Klasse Bronze nach kurzen, lediglich theoretischen Vorbereitungen ihr Können mit Bravour unter Beweis. Da war ihnen viel Lob und Anerkennung bei
der Siegerverkündigung durch steirische wie Bewerbsteilnehmer aus Kärnten und Feuerwehr-Offiziere sicher. Die Annehmlichkeiten im Rahmen der Festveranstaltung wurden danach gerne genützt, der Austausch mit anwesenden Feuerwehrkameraden und Festgästen gepflogen und ein weiteres Mal in Erfahrung gebracht, wie wertvoll es ist, Feuerwehrleuten, welcher Herkunft immer, vertrauen und sich auf sie verlassen zu können. Immer und überall. Nach kurzer Nacht, vollgepackt mit neuen Erkenntnissen, erfreut über das Wiedersehen, wurden die deutschen Freunde am Sonntag-Vormittag in Mooskirchen mit der Gewissheit verabschiedet, dass es bald wieder zu Begegnungen kommen wird./od

